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(2003) NRZ


Erfolg mit Hintergründen

NRZ / „Erfolg mit Hintergründen“

Der Designer Martin Tazl hat die Internet-Seiten der amerikanischen Band Limp Bizkit gestaltet. Den Kontakt mit Chef-Bizkit Fred Durst halten sie per Web-Cam - nachts um fünf Uhr.

Es gibt Geschichten, die nur das Internet schreiben kann. Die Story, wie der Duisburger Designer Martin Tazl und sein Partner Tom Hafner an den Auftrag kamen, die Internet-Seiten der US-Band Limp Bizkit zu gestalten, ist so eine. Sie hat Hintergründe. In diesem Fall Bildschirm-Hintergründe für den Computer. Es sind so genannte Screens, die Tazl entwirft und seit Jahren auf internationalen Webseiten verteilt. So wurde Fred Durst, Kopf der "schlaffen Kekse", auf ihn aufmerksam.

So ein Job war vor zehn Jahren noch unmöglich. Per E-Mail nahm das Management der Band, die weltweit 30 Millionen Alben verkauft hat, Kontakt auf. Und engagierte Tazl für den Relaunch der Webseite. Weitere Referenzen? Nicht nötig! Durst kannte ja seine Internet-Seite. "Ein solcher Job wäre vor zehn Jahren noch unmöglich gewesen", sagt Tazl, der gelernte Druckvorlagen-Hersteller, der unter anderem bei der Duisburger Agentur Krankikom das Web-Geschäft gelernt hatte und seit zwei Jahren freiberuflich sein Glück versucht. Seinen derzeitigen Arbeitgeber hat er noch nie persönlich getroffen. "Wir konferieren über das Internet und tauschen auf diesem Wege unsere Ideen aus."

Das geht so: Durst in Los Angeles und Tazl in Duisburg schalten zum verabredeten Zeitpunkt Laptop und Webcam ein und konferieren übers Internet. Meist morgens um fünf Uhr (21 Uhr an der US-Westküste). "Das macht mir nichts aus, ich bin Nachtarbeiter", grinst Tazl.

Ein Nachtarbeiter, der außer einer Menge Kreativität nicht viel Aufwand benötigt. Seine 50 qm-Wohnung in der Innenstadt, ein Apple Power Book, Grafiktablett und Web-Cam reichen für den Limp Bizkit-Job aus. "Fotos, Filme und weiteres Material wurden aus den USA geliefert", erzählt Tom Hafner (28), der den Programmier-Job übernommen hatte. Knapp einen Monat hatten beide Zeit, denn die Seite sollte in diesen Tagen, pünktlich zur Veröffentlichung der neuen CD "Results may vary", stehen.

Wichtig für Tazl & Hafner war´s nicht, eigene Ideen umzusetzen. "Wir haben uns ganz nach unserem Kunden gerichtet." Und Durst wollte zu ihrer Überraschung gar keine abgefahrene Seite mit den coolsten Gimmicks, sondern bevorzugte ein nüchternes Design. "Innerhalb der Band hat es in den vergangenen drei Jahren eine Menge Bewegung gegeben. Fred will jetzt einfach Stabilität, das soll die Seite ausdrücken", erklärt Tazl, der ein Design entwarf, das in seiner Schlichtheit eher an eine Nachrichtenseite als an den Web-Auftritt der Kultfigur des Nu Metal erinnert.

Millionen haben Tazl & Hafner bei diesem Job nicht gescheffelt. "Die Honorierung hielt sich im üblichen Rahmen", sagen sie. Aber Geld spielt für ihn bei diesem Auftrag eine eher untergeordnete Rolle. "Was zählt, ist natürlich der Name. Und potenzielle Folgeaufträge." Denn Tazl trägt sich nach zwei Jahren als Freiberufler mit dem Gedanken, eine neue Firma zu gründen - "auf jeden Fall in Duisburg."

26.09.2003 MARKUS PETERS


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