Ausgewählter Artikel

(2004) Deutsche Welle


Sie nennen sich schlaffe Kekse, Limp Bizkit und sind derzeit wohl die erfolgreichste Rockband weltweit. Ihre Anhängerschaft geht in die Millionen, meist Teenager, die begierig aufnehmen, was die kalifornischen Musiker produzieren. Verbindendes Element zwischen den Teens und der 5 köpfigen Band ist natürlich zuallererst die Musik, dann aber und heutzutage ganz selbstverständlich eine Limp Bizkit Webseite im Internet.

Das Design dieses, für Musik, Vermarktung und Beliebtheit so wichtige Internetauftritts stammt indes nicht aus den berühmten Designerwerkstätten New Yorks oder Los Angeles, sondern aus einer bescheidenen deutschen Malocher Metropole, aus Duisburg nämlich.

Daniel Hirschler ist der überraschenden Verbindung der kalifornischen Kekse und einem Duisburger Webdesigner nachgegangen.

Martin Tazl hat einen starken Hang zur Darstellung, er ist schließlich Designer. Durchschnittlich Groß, dafür kräftig gebaut mit Glatze, die so sehr Markenzeichen ist, das sie sein Firmenschild schmückt.

Zigarette rauchend lässt sich der Mittdreißiger ins Ledersofa seiner Duisburger 2 Zimmer Wohnung sinken. Das Interview war ein bisschen so wie die Stadt selber. Die guten Zeiten sind vorbei, hier wird weiterhin eher gearbeitet als geschmückt. Das ist zunächst nicht sichtbar, es findet virtuell statt, das Arbeiten.“

Zwei tragbare Computer stehen bereit, der Arbeits- und Kommunikationsplatz des Selfmade Mannes. Hier im Wohnzimmer nahm die Achse Los Angeles Duisburg Ihren Anfang. Tazl`s Screen Designs waren es, bunte Bilder für die Verschönerung des Computerarbeitsplatzes, die weltweit Aufmerksamkeit erregen und eben auch das Interesse des Limp Bizkit Sängers Fred Durst.

Tazl: „Ich bin der Besitzer der größten privaten Desktop-Sammlung, die eigens erstellt wurden. Es sind also etwas über 1200 Screens im Netz, die im Grunde genommen frei verfügbar sind -wenn sie denn nicht für- ja, kommerzielle Zwecke missbraucht werden.Und damit kann man sich seinen PC Desktop dekorieren, seinen Bildschirm schöner machen und ja da hat er sich halt eben auch sehr viele Screens runter geladen und zusätzlich auch noch mein Magazin Orangeflow gelesen.“

Das Magazin Orangeflow ist ein weiteres Give away des Duisburger Designers, das er zur freien Betrachtung ins Netz stellt. Wer will, druckt es sich aus, am besten in Hochglanz und vierfarbig, so kommen die teils überbordenden Layout Ideen und Fotostrecken am besten zur Geltung.

Martin Tazl erstellt das Magazin vollständig im Alleingang. Erscheinungsdatum jeweils wenn es fertig wird, neben der anderen Arbeit, die gemacht werden muss.

Inzwischen haben schon einschlägige Fachzeitschriften über diese Einmann Publikation berichtet von der auch der Macher gerne zugibt, das es durchaus eine Egoshow ist.

Tazl: „Orangeflow nenne ich das Magazin für kreativen Lifestyle und Design und äh, es beschäftigt sich mit den Sachen, die mich umgeben, womit ich mich beschäftige auch mit dem Netzwerk, mit dem ich zu tun habe und ich komme halt eben auch in sehr vielen Kontakt mit vielen anderen kreativen Menschen mit viel Input und der landet dann im Output von Orangeflow.“

Guerillia Marketing nennen Fachleute so etwas. Man macht von sich reden indem man etwas bietet über das es sich lohnt zu reden. Die Grenze zwischen Kreativität und Kommerz ist hier so unscharf, wie vieles in dem Netz das sich Martin Tazl zu nutze macht.

Schön, gut und interessant sollen seine Themen sein, doch letztendlich geht es ums Geld verdienen.

Im Falle Limp Bizkit ist die Strategie aufgegangen.

Nach einjähriger Beobachtung durch den Chef der Band kam dann die Anfrage per email.

Martin Tazl kannte zu dem Zeitpunkt zwar den Namen der Band, hatte auch deren Musik schon gehört, doch bis zur Gestaltung der Webseite und dem zwischenzeitlichen Relaunch, also der Generalüberholung war noch manche Abstimmung nötig. Per email oder Bildtelefonie, bei der sich Designer und Auftraggeber beim miteinander sprechen auch betrachten können, werden so Ideen und Lösungen zwischen Duisburg, Los Angeles oder den weltweiten Tourneeorten der Band hin und her jongliert.

Das Internet ermöglicht den Kontakt über die Kontinente hinweg.

Sein Wohnzimmer tauscht der Duisburger in diesen Tagen übrigens mit Büros am ehemaligen Innenhafen.

Zusammen mit einem Partner entsteht dort eine gemeinsame Agentur für Design und Kommunikation.

Sein Erfolg mit der Limp Bizkit Webseite ist hierbei ein wichtiger Baustein.

Tazl: „Limp Bizkit muss als die plakative Medienfunktion auch betrachtet werden, die sie ist. Also die Geschichte ist einfach sehr kurios die dahinter steckt, warum wir überhaupt in Kontakt gekommen sind. Der Auftrag ist eine schöne, witzige Arbeit. Fred Durst ist ein sehr angenehmer Mensch und ein sehr kreativer Kopf auch und man hat wiederum dadurch mit vielen, vielen anderen Leute zu tun, mit denen man ohne das Internet überhaupt niemals in Kontakt treten würde/könnte. Oder überhaupt denken..., wäre ja vor -weiss ich nicht -10 bis 15 Jahren wäre das absolut unmöglich gewesen.“

Da sieht man es mal wieder: Das World Wide Web der unbegrenzten Möglichkeiten.

Daniel Hirschler über die wundersame Karriere des Duisburger Webdesigners Martin Tazl.


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