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NRZ: "Tazls neuer Comic-Hit" (2013)


Ingo Blazejewski am 22.11.2013 um 07:12 Uhr

Cartoonist Martin Tazl ist neuer Zeichner des Kult-Heftes „Yps“

Martin Tazl hat als neuer Zeichner des Kult-Hefts „Yps“ die bekannte Schauspielerin und TV-Kommissarin Simone Thomalla zur Comicfigur gemacht und damit ein enormes Medienecho bekommen. Dabei hatte er ursprünglich eine kurzhaarige Blondine für die Rolle vorgesehen.

Duisburg.. Martin Tazl hat einen Hit gelandet: Der Duisburger, der Ex-OB Sauerland bei der Abwahl karikierte und damit humorvoll seinen Protest kundtat, sorgt als neuer „Yps“-Zeichner mit seinem Comic landauf und -ab für Gesprächsstoff.

In dem Kult-Heft, das seit gestern im Handel ist, hat er Tatort-Schauspielerin Simone Thomalla ein Debüt als Comicfigur verschafft. Seitdem sind in nahezu jedem Boulevard-Blatt Ausschnitte davon zu finden. Die Resonanz ist gewaltig, erzählt Tazl im Gespräch mit der NRZ. „Das habe ich überhaupt nicht erwartet“. Wohl aber Simone Thomalla. „Sie hat mir zu meiner Überraschung gestern erzählt, dass sie mit den vielen Anfragen gerechnet hat und darauf vorbereitet gewesen sei.“

Dabei war es wohl eher eine glückliche Fügung, dass die ganze Geschichte überhaupt ins Rollen kam. „Es war einfach die richtige Idee zum richtigen Zeitpunkt.“

Ein Fan und systematischer Sammler

Denn eigentlich hatte sich der 40-Jährige für seine Bewerbung als Yps-Zeichner eine ganz andere Figur für seinen Comic ausgeguckt: die sexy Stewardess Natascha, die von den Yps-Figuren gerettet werden sollte. „Es ist die wohl bekannteste Comic-Figur in Europa. Ich wollte mich damit mächtig ins Zeug legen und der Jury beweisen, dass ich genauso gut bin wie die Originalzeichner.“ Doch dann gab es rechtliche Bedenken. Der Chefredakteur fragte, ob Tazl die Figur nicht durch eine andere ersetzen könne. „Mir fiel spontan Simone Thomalla ein, die ich schon länger kenne. Also habe ich sie angerufen. Du bist zwar verrückt, aber leg ‘mal los, hat sie gesagt. Und so wurde im Comic aus der kurzhaarigen Blondine eine langhaarige Brünette.“

Seitdem ist Martin Tazl der neue Yps-Zeichner, hat sich im Wettbewerb gegen über 100 Konkurrenten durchgesetzt. „Schon als ich im Urlaub den Aufruf auf Facebook gelesen habe, wusste ich: Das ist genau mein Ding.“ Früher sei er selbst der größte Yps-Anhänger gewesen, habe die Hefte systematisch gesammelt und fehlende nachgekauft. „Das war wie eine Mission. Deshalb kenne ich das Ganze auch in- und auswendig.“ Umso mehr habe er bedauert, als Yps dann den Bach herunter ging. Im vergangenen Jahr gab es die erste Neuauflage, jetzt will Tazl helfen, mit der Neuinterpretation der alten, aber künftig ausgefeilteren Figuren dem Heft einen neuen Schwung zu geben.

Die Liebe zu Comics früh entdeckt

Vom modernen Look der klassischen Yps-Figuren seien jedenfalls Fans wie Jury begeistert, lobt Yps-Chefredakteur Christian Kallenberg: „Martin Tazl hat bewiesen, dass er nicht nur verschiedene Zeichenstile beherrscht, sondern auch so kombinieren kann, dass daraus ein ganz eigenes, neues Ganzes entsteht.“

Bereits als kleines Kind habe er die Liebe zu Comics entdeckt und sie einfach nachgezeichnet, erzählt Tazl. In den Siebzigern dominierten Donald Duck und Micky Maus, seine „allergrößte Inspiration“ sei aber auch heute noch Albert Uderzo mit seinem Asterix. „Sein Strich ist der beste, den ich je gesehen habe“, sagt Tazl, der immer so zeichnen wollte wie Uderzo. Dennoch bleibt die Zeichnerei für den Vater von zwei Kindern, der gerade mit seiner Werbeagentur zehnjähriges Bestehen feiert, ein „Wochenend-Job“. Ohnehin sei es für ihn als Fan doch mehr „Ehrensache“, ganz ohne Druck und „rein aus Spaß und Leidenschaft“ die Figuren zu Papier zu bringen.

Bereitschaft vieler Promis ist groß

Auch künftig will er Prominente einbauen. „Das fand ich schon bei den Asterix-Zeichnern cool“. Probleme, bekannte Gesichter für seine Sache zu finden, hat er nicht. Gerade sitzt er an dem Comic fürs nächste Heft, verraten will er aber noch nichts. Und selbst für die übernächste Ausgabe hat er sich schon eine in Deutschland „sehr sehr bekannte“ Person ausgeguckt.

Die Bereitschaft bei solch spaßigen Ideen mitzumachen, sei bei vielen Promis groß. Schließlich ziehe er die Leute nicht durch den Kakao, sondern stelle sie ja „im positiven Glanz“ da. „Wer da kein Bock drauf hat, ist doch selber schuld“, sagt Tazl und lacht. Und je mehr sehen, wie gut sie dabei wegkommen, umso mehr werden mitmachen, ist er überzeugt. Irgendwann soll es dann so sein wie bei den Simpsons, der Fernseh-Erfolgsserie: „Da streiten sich die Promis ja schon darüber, wer von ihnen in der nächsten Folge dabei sein darf.“


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