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Location Magazin: "Der Herr der Comics" (2015)


Der Herr der Comics

Ob Motive fürs Duisburger Seifenkistenrennen oder Werbeplakate, seine Zeichnungen sind in der Stadt omnipräsent. Seit zwei Jahren erstellt Martin Tazl Comics für das Kult-Magazin ,Yps‘.

„Jeder Promi betreibt mit seinen Ausufe- rungen mehr Schaden an sich selbst, als ich mit meinem Strichen ausdrücken kann“, so Martin Tazl lächelnd. Seit rund zwei Jah- ren nimmt der gebürtige Duisburger die VIPS und Möchtegern-Promis zeichnerisch im Kult-Magazin ,Yps‘ (ist im Übrigen im- mer noch für Jung und Alt mit einem Spiel- zeug versehen!) auf die Schippe. Angst vor einer Klage hat der 42-Jährige nicht: „Wa- rum, weil ich Männchen zeichne? Ich be- ziehe mich thematisch nur auf Ereignisse und Zitate, die bereits gelaufen sind und die werden dann in die Comics eingebaut und ausgeschmückt....“ Ob Modezaren, Fußballlegenden, Schlagersänger, Banker,

Manager und D-Promis, vor Tazls Feder ist keiner gefeit. „Meine Comis können von Sechsjährigen gelesen werden, aber auch die ältere Generation kommt auf ihre Kosten. Wer etwas in der Birne hat, weiß, worauf ich anspiele“, fasst der Duisburger süffisant seine Arbeiten zusammen.

Eher per Zufall ist der gelernte Druck- lagenhersteller an den begehrten Job gekommen, denn sein Augenmerk liegt ei- gentlich auf der Erstellung von Werbemo- tiven für seine Kunden. „Schon in der Ju- gend habe ich leidenschaftlich gezeichnet. Geerbt habe ich dieses Talent von meiner Mutter, sie war eine exzellente Malerin. Auf dem Gymnasium verarbeitete ich dann

zeichnerisch die schulischen Misstände, zum Leid meiner Lehrer. Die ersten Erolge konnte ich dann mit einer eigenen Schü- lerzeitung verbuchen, die ich nicht nur mit meinen Skizzen, sondern auch mit ver- kaufter Werbung versah.“

Ein Aufruf des EHAPA-Verlags via Face- book, der für das Yps-Magazin einen neuen Comic-Zeichner suchte, machte ihn jedoch neugierig. „Ich habe Yps in meiner Jugend geliebt und die Magazine exsessiv gesam- melt. Es hat mich aber stets gestört, dass sie in Deutschland keine Figuren entwi- ckelten, wie in Frankreich. Alle haben Vor- bilder, wie zum Beispiel ,Tim und Struppi‘, nur hier wurde nichts daraus gemacht.“

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Statt händeringend neue Figu- ren zu entwickeln, schuf Tazl für den Wettbewerb eine neue, albumreife Geschichte mit den alten Protagonisten, diese halt nur modifiziert. Mit Erfolg, seit zwei Jahren ist er nicht nur für das Titelbild, sondern auch für die Comicstrecke im Retro-Magazin verantwortlich und hat mit seinen Ideen be- reits Kultstatus erlangt. Allein fünf Mal hat er es mit seinen ,Yps-Zeichnungen‘ schon auf die Titelseite der Bildzeitung gebrachtundeinEndeist

vorläufig nicht in Sicht. Seinen Erfolg erklärt er sich wie folgt: „Eigentlich erzähle ich eine Retro-Geschichte, die ich mit modernen Inhalten fülle, mit dem Griff zurück ins Orignal, damit erreiche ich den Leser von früher.“ Alle zwei Monate entwickelt der Duisburger

nun eine achtseitige Storyline, wobei der Aufwand sich sehr unterschiedlich gestaltet. „Ich baue halt Promis mit Skanda- len ein und bin überraschen- derweise häufig sehr aktuell, es passteigentlichimmer.“ abe

Tazls Aktualitätenspiegel: Jeder kriegt, ob kurz oder lang, sein Fett weg: Ob Modezaren, Fußballlegenden oder Schlagersänger.

Das ,Yps‘-Titel- bild der aktu- ellen Ausgabe. Die Superhel- den wie Arnie und Co. lassen grüßen.

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