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(2004) Design Made in Germany


Interview mit Design Made in Germany / Thema: Wie kam es, dass ich von der US-Rockband LIMPBIZKIT den Auftrag erhielt, deren Website zu machen?

Wie kam der Auftrag zustande? Wurde da ein Pitch oder ähnliches ausgeschrieben oder kam der Kontakt von Limp Bizkits Managment aus zustande?

Einen Pitch gab es nicht.

Fred Durst ließ mich erst durch seinen Manager kontaktieren, dieser fragte mich ob ich Bock hätte, diese Sache zu machen. Es wurde auch deutlich, dass es keinen Sinn machte, darüber zu diskutieren, weil Fred und das Management mich schon als beauftragt sahen als sie mich kontaktiert hatten.

Wie empfandest du die Zusammenarbeit mit Limp Bizkit?

Schön. Zwar im Organisationsprozess und im logistischen Ablauf manchmal sehr schleppend und nicht mit Material nachkommend, aber im Großen und Ganzen ist es einfach schön, weil´s Spass macht. Das Verhältnis war sehr persönlich und auch easy. Ich schwätze oft mit Fred über verschiedene Dinge. Wir unterhalten uns über iSight.

du repräsentierst dich nach außen als Designer, Illustrator, art Direktor, Singer, Editor, Publisher and

personality branding consultant und hast durch u.a. den spiegel-online-artikel und auch viele weitere Interview, die Blicke auf dich gezogen, dadurch standest du aber auch unter gewissen Erwartungen. denkst du, dass du diese erfüllt hast?

Wenn man so eine Frage stellt, muß man mal sehen, wen Du in diesen Erwartungskreis einschließt. Als ich damals die ersten Ideen mit Durst ausgetauscht hatte und ich verstand wo der Hase hinläuft, war mir sofort klar: Diese Website wird die heftigsten Kontroversen auslösen, wie es mir selbst noch nicht passiert war. Aber ich konnte mich auf Fred´s Rückendeckung verlassen und freute mich schon im Vorfeld auf die hitzigen Diskussionen derer, die sich darüber die Mäuler zerreissen würden (Hardcore-Fans und natürlich die DMIGs)..

Dass die Reaktionen insbesondere bei DMIG so ausfallen würden, war mir klar, da ich die Sichtweise von DMIG (wie die Herrschaften mich betrachten) ja kannte und die lächerlichen Lästerein ja nicht unbemerkt an mir vorbeigehen. Und da die DMIG-Leute genauso reagiert haben wie erwartet, habe nicht nur ich Erwartungen erfüllt, sondern auch das DMIG-Volk. Alles zur Zufriedenheit also.

Aber mal davon ab: Das Feedback, was ich seit Launch dieser Site aus verschiedenen Teilen der Erde erhalte erhalte, ist durchweg positiv.

kommen wir direkt zur Seite: wo bleibt das image der band in der? in den Videos ist sie hart, rauhrig, böse? die Seite hingegen wirkt wie die Seite einer Milchfirma, so steht es irgendwie in dem Bulletin Board! hat limpbiztkit kein Corporate Design oder was ist da falsch gelaufen?

Falsch gelaufen ist gar nichts. Limpbizkit hatte aber bisher in der Tat kein Corporate Design. In der Sichtungsphase im Vorfeld hatten sich mir soviele, unendliche Erscheinungsarten dieser Band offenbart – und auch eine Sichtweise des Managements diesbezüglich, dass mir klar war: Hier müssen die Hebel runtergefahren werden, um eine Neuordnung zu ermöglichen. Die Band hat eine Krisenzeit und eine Art „Change Management“ hinter sich. Neuer Gitarrist – der Verlust des alten Git. Wes Borland – hat ein großes Loch gerissen und limpbizkit haben ein Gitarristen-Casting hinter sich, was seinesgleichen sucht (die haben tausende durchprobiert, sogar Eddie Van Halen). Die Band ist auch musikalisch im Wandel.

Der Grund für die fehlende Hintergrundfarbe (Mein Gott, Leute, über was für eine Scheisse zerbrecht Ihr Euch eigentlich die Köpfe ..??) liegt in der Einfachheit der Dinge: Die Website soll erstmal minimalisierten Raum und Rahmen für das bieten, was ab jetzt immer wieder mal upgedated wird. Die Website kann vom Erscheinungsrahmen so wie sie da steht, mehrere Jahre genutzt werden und braucht nicht wie andere ständig re-designt zu werden. Das Teil ist so offen und easy konzipiert, da sie auf Langfristigkeit angelegt ist – wie ein zurückhaltender Container, dessen Inhalt die Musik macht. Der Container selbst braucht nicht bemalt und mit Grafitti besprüht zu werden, nur um der Sache dienlich zu sein.

Darum geht´s – deswegen Weiss.

Ich habe mit Fred sehr lange drüber gesprochen und wir sind beide der Meinung, dass es zeitlos und gut so ist. Und mir selbst gefällt diese „etwas andere“ Vorgehensweise auch sehr gut.

Mir geht es bei Aufträgen auch mehr um den Job als um irgendwelche Kunst. Wenn ich einen guten Job gemacht habe und der Kunde zufrieden ist, ist es besser, als wenn ich da ne Knallerseite habe, aber niemand sich damit wirklich identifizieren kann.

Wenn du die Chance hättest, das Redesign der LimpBizkit Seite in ein paar Jahren zu machen. Was würdest du anders machen? Verändern?

Die Frage stellt sich nicht, da es wie gesagt erst der Anfang ist und man genausogut damit rechnen kann, dass das Online-Erscheinungsbild der Band sich ab jetzt auf dem vorgelegten aufbauen wird. Das soll heissen, dass wir hier nicht einfach was haben, was jetzt für ein paar Jahre dort steht, sondern dass wir uns mit der Site ständig weiterentwickeln und auch sich das Design dynamisch weiterentwickeln wird.

Es geht nicht darum, ob ICH als Tazl in der Lage wäre, noch viel schönere, designte Dinge (in Euren Augen) herzustellen – das muß ich nicht mehr unter Beweis stellen. Es geht daum, dass der Kunde mich als Partner findet, der ihm seine Gedanken aus dem Kopf ziehen kann und ihn versteht. Und da muß derjenige, der für den Kunden arbeitet (nicht umgekehrt), sich selbst auch zurückstellen können.

Gegenwärtig arbeite ich ja schon im Austausch mit Fred und dem Management an weiteren Dingen. Von einem Re-Design irgendwann mal zu sprechen, ist jetzt völlig unsinnig.


Sollten wir aber irgendwann an diesen Punkt kommen, werden wahrshceinlich auch die Anforderungen und die Wünsche der Bezahlenden anders aussehen, weil sich das Business der Band selbst weiterentwickelt hat.

Was hat sich seit dem Auftrag in deinem Leben verändert?

An meinem Leben hat sich dadurch selbst nichts geändert.

Du bist für deine sehr "offensive" selbst-pr bekannt und powerst dich regelrecht zu einer Marke? Was ist der Grund dahinter?

Es ist eine langfristige Marketingstrategie. Keine Profilneurose oder Selbstverliebtheit.

Der Grund dahinter ist so simpel. Ein Beispiel: Denkt an ein Waschmittel ... PERSIL. Wenn Persil nicht in TV-Spots oder als gut designtes Produkt im Regal und auf Plakaten stehen würde, wüßtet Ihr nicht, dass es Persil gibt. Zu deutsch: Wer die Schnauze nicht aufmacht, wird nicht gehört – und wer sein Gesicht nicht zeigt, bleibt auch nicht in den Köpfen der anderen Menschen hängen. Oder glaubt Ihr wirklich, dass Namen sich besser zu merken sind, wenn kein Gesicht dabei ist ..? Und ich muß ehrlich sagen: Ich halte nichts von Einstellungen wie „Neee, ich will lieber mehr im Hintergrund sein, sonst denkt jeder noch, ich will im Mittelpunkt stehen ...“ Ja, Pech gehabt ... Falsche Bescheidenheit an falscher Stelle.

Und eine Frage an die Träumer unter DMIG: Was bringt´s Euch, wenn Ihr auf eine ganz ausgefeilte, frickelige Arbeit stolz seid, sie aber keine Sau wahrnimmt, weil Ihr Euch versteckt ..?? NIX! Meine Güte, man muß auch MUT haben, seine Schnauze nach draußen zu halten. Und man muß auch Mut haben, den (auf jeden Fall kommenden) Gegenwind zu ertragen. Was soll´s schon? Lasst andere doch meckern – die Zweifler und Neider wird´s immer geben – die werden auch nicht weniger, wenn man sich versteckt.

Mein Leitthema ist „Der Mensch als Marke“ – interessanterweise gibt es ganze Studiengänge zu dem Thema.

Leute, ich komm doch selbst aus dem Agenturumfeld wie viele von euch. Und ich habe auch nicht viel geld verdient und gemerkt, wie unsere zunft von denen, die uns bezahlen in den Unternehmen gesehen wird. Und mir ist auch vor vielen Jahren schon klar geworden, dass man im Website-Bereich kein Millionär werden kann – da kann man sich noch so sehr auf den Kopf stellen. Die Budgets lassen diese Vorstellungen einfach nicht zu. Aber die Leistung muß beworben werden. Damit jeder die Möglichkeit hat, zu wissen, dass ich so eine Arbeit mache. Jedoch hat mein „Marketing und PR-Gehabe“ (wie es im Forum so nett genannt wird) auch noch eine andere Basis: Ich sehe mich nicht als Berufsstand Webdesigner. Ich bin einfach Tazl, der in verschiedenen Ausrichtungen sehr kreativ ist und breitflächig interessiert ist. Ich mache viele Dinge, so bin ich doch eigentlich schon immer Zeichner gewesen – nur mein Geschäftsschwerpunkt hat sich in den letzten Jahren einfach von selbst aufs Webdesign verlagert. Soll ich mich dagegen wehren ..? Ich mache die Dinge, die mir Spass machen und da ich weiss, dass viele Leute es interessiert, informiere ich die Leute auch über viele Dinge, die ich so tue. Ob ich eine neue Illu gemacht habe, eine neue Website, einen neuen Song aufgenommen habe oder was lustiges gesehen habe: Ich KOMMUNIZIERE es! Und da kann mean es genauso handhaben wie mit dem Fernseher: Konsumier es oder klick einfach weiter. Und wenn

Eine Sache, die sich alle mal vor die Augen halten sollten, die sich darüber beschweren, dass ihnen mein PR-Gehabe auf den Sack geht: Ich nutze ausschließlich meine EIGENEN Kommunikationsplattformen: Meine eigenen Websites und mein eigenes Magazin ORANGEFLOW. Mehr nicht. Und TAZL Newsletter per Mail kommen ja eher selten heutzutage im Gegensatz zu früher. Wenn andere über mich schreiben oder ich Interviews im Radio/TV gebe, dann habe ich es nicht forciert, sondern man ist auf mich zugegangen.

Wenn ich mich nicht selbst kommuniziere, habe ich auch nicht die Möglichkeit von denen wahrgenommen zu werden, die ich damit erreichen will. Darum die offensive Vorgehensweise mit meinem Namen und meinem unbehaarten Gesicht.

Stichwort „Think Different“. Das ist doch genau das worum es damals in der Apple-Kampagne ging: Dinge einfach mal anders zu machen als die Gleichgesinnten von einem erwarten. Und das tue ich.

Martin Tazl


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