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(2003) YAM! Magazin


„Ich arbeite für Fred Durst“

Made in Germany: Auch Limp Bizkit-Boss Fred Durst schätzt deutsche Wertarbeit! Für die LB-Homepage machte er deshalb jetzt gemeinsame Sache mit einem Webdesigner aus Duisburg...

Der Fremde am Telefon hielt sich nicht lange mit Vorreden auf. Auf englisch sagte er: „Hi, hier ist der Manager von Limp Bizkit. Hast du Bock, unsere Homepage zu gestalten?“ Mit so einem Anruf hatte Martin Tazl (30) nun wirklich nicht gerechnet.

Dabei hatte er sich extra einen Arbeitsplatz ausgesucht, der voller Möglichkeiten steckt: das World Wide Web(www) - das weltweite Netz.

Hier tummeln sich Milliarden von Homepages, gefüllt mit Bildern, Informationen, Spielen, Filmen, Musik usw. Und jede hat ihr eigens Design. Während sich private Anwender meist mit einem einfachen Look zufrieden geben (weil ihnen die nötigen Kenntnisse für die Gestaltung fehlen), müssen sich Firmen, Magazine und Promis schon mehr ins Zeug legen. Denn auf ihren Homepages sollen sich möglichst viele Leute nicht nur informieren und miteinander kommunizieren, sondern auch Ihren Spaß haben. Wer keinen ansprechenden Look bietet, wird von gelangweilten Usern schnell weggeklickt. Damit das nicht passiert, braucht man Webdesigner - solche wie Martin Tazl.

Der Beruf ist nicht leicht. Neben einer großen Portion Kreativität und Programmier-Kenntnissen braucht man dafür vor allem eines: Auftraggeber. Und wenn sich eine der erfolgreichsten Nu-Metal-Combos bei einem Webdesigner aus Duisburg meldet, ist das schon ein kleines Wunder - oder das Ergebnis guter Arbeit.

Noch heute schmunzelt Tazl über den Anruf, der ihn im Juli 2003 erreichte. Wie war die Band ausgerechnet auf ihn gekommen? Der Manager klärt ihn auf: „Fred lädt sch schon seit einiger Zeit Bildschirmhintergründe von deiner Homepage. Er ist ein richtiger Fan von dir!“

Ein Freund von Fred hatte ihm die Seite empfohlen (www.tazl-design.com), auf der Tazl neben seiner Arbeit auch kostenlose Desktop Screens (Bildschirmhintergründe) anbietet - entstanden auf seinem Laptop. Der tragbare Computer steht in Martins Wohnzimmer, seinem Arbeitsplatz. Nach einem verpatzten Abitur machte er erst eine Ausbildung als Druckvorlagenhersteller und entwarf schon damals Designs für Internet-Seiten, Cd-ROMs und Print-Produkte. Schließlich wurde er Leiter der Kreativabteilung einer Multimedia-Agentur. Heute ist Martin selbstständig. Nach dem Anruf vom LB-Management informierte er sich schnell über die Band. „Natürlich war mir Fred Durst ein Begriff, aber privat höre ich ganz anderen Sound. Damals wusste ich nicht, wie berühmt die Jungs wirklich sind.“ Freunde klärten ihn auf: 30 Millionen Platten verkauft, erfolgreiche Welttourneen, mehr als hunderttausend Homepage-Besucher jeden Monat - das sind Limp Bizkit (dt.: weicher Keks). Plus ein Frontmann, der sich nach außen gern als lauter, pöbelnder Rocker gibt. Tazl lernte ihn jedoch anders kennen. „ Anfangs hatten wir nur per mail Kontakt. Als das Projekt erste Fortschritte machte, besorgten Fred und ich Webcams und verabredeten uns zu Video-Chats, um meine Ideen und seine Wünsche miteinander besprechen zu können. Er ist ziemlich cool und - wenn er will - sehr freundlich.“ Die übrigen Infos, die er fürs neue Design der LB-Homepage brauchte, holte sich Martin direkt an der Quelle: bei den Fans. Im LB-Diskussionsforum fragte er nach besonderen Wünschen. Danach konnte er sich vor Mails kaum retten. „Fotos, Screensaver und Songs standen ganz oben auf der Wunschliste.“

Trotz der vielen Gespräche mit Fred Durst - wegen der Zeitverschiebung meist frühmorgens oder spätabends - gab es bisher noch keinen persönlichen Kontakt. Die einzige Gelegenheit wäre ein Konzert von Limp Bizkit im August auf dem Terremoto-Festival gewesen, nur 60 Kilometer von Duisburg entfernt. „Aber damals musste ich Tag und Nacht arbeiten, damit alles rechtzeitig fertig wird“, erklärt Tazl. Deadline war der 22. September 2003, der Tag, an dem das aktuelle LB-Album „Results May Vary“ erschien. Gerade mal einen Monat Zeit hatte Tazl für die Planung und Gestaltung. Normalerweise braucht ein Webdesigner zwei bis dreimal so lang.

Obwohl die neue Seite längst online ist, treffen sich Martin und Fred auch heute noch im Video-Chat. „Gemeinsam entwickeln wir die Homepage immer weiter. Die Zeit war damals einfach sehr kurz“, erklärt der Webdesigner. „Inzwischen erzählt mir Fred sogar Storys aus seinem Privatleben. Das ist ziemlich spannend. Vielleicht treffe ich ihn ja doch irgendwann mal persönlich.“

Kumpels sind der Weltstar und der Mann aus Duisburg schon jetzt.

YAM! Nr. 4 14. Januar 2004


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