Ausgewählter Artikel

(2012) WAZ

26.01.2012

 

 

„Der kleine Bürgermeister“ – OB Adolf Sauerland als Comicfigur

 

26.01.2012 - 07:00 Uhr

 

 

OB Adolf Sauerland als „Der kleine Bürgermeister“ in einem Comic von Designer, Illustrator, Fotograf, Sänger – und Cartoonist – Martin Tazl aus Duisburg. Zeichnung: Martin Tazl

 

Duisburg.  Wenn Martin Tazl einen Gegner treffen will, greift er zum Stift. Nun hat der Designer seine Karikaturen gegen Adolf Sauerland eingesetzt. Die Zeichnungen veröffentlicht der Duisburger auf Facebook. Sogar ein Malbuch mit Sauerland-Bildchen verbreitet Tazl. Titel: „Der kleine Bürgermeister“.

 

Worte, unflätige zumal oder gar Pöbeleien, sind seine Waffe nicht. Wenn Martin Tazl treffen will, greift er zum Stift, ob er seinen Gegner mit Blei oder Filz filetiert ist dabei relativ egal. Schon während seiner Schulzeit am Krupp-Gymnasium in Duisburg-Rheinhausen hat er Konflikte mit Lehrern auf seine Art ausgetragen. „Ärgern Sie mich nicht, sonst zeichne ich Sie“, setzte er damals bereits auf die subversive Kraft des Humors und des Lachens. Jetzt hat ihn wieder jemand geärgert, und das sehr heftig: Oberbürgermeister Adolf Sauerland.

 

„Ich fand ihn schon bei seinem Antritt nicht so toll, aber sein Verhalten nach der Loveparade-Katastrophe war ein einziges Trauerspiel“, findet Tazl. „Fürchterlich. Dieses permanente Abwiegeln, diese abwehrende Handbewegung, ich kann sie nicht mehr sehen. Und das von einem älteren Mann, zu dem man eigentlich aufschauen sollte.“ Der 38-jährige Designer, Illustrator, Fotograf und Sänger, Inhaber der Werbeagentur tazlthielen Kommunikation GmbH, verhehlt seinen Ärger über das Verhalten Sauerlands in keinster Weise.

 

Youtube-Video als Anleitung zum Nachzeichnen

 

 Weil er sich über Duisburgs OB Adolf Sauerland (CDU) ärgert, stellt Martin Tazl seine Karikaturen in den Dienst des Abwahl-Verfahrens. Foto: Lars Fröhlich / WAZ FotoPool

Weil er sich über Duisburgs OB Adolf Sauerland (CDU) ärgert, stellt Martin Tazl seine Karikaturen in den Dienst des Abwahl-Verfahrens. Foto: Lars Fröhlich / WAZ FotoPool 

Foto:  WAZ FotoPool

„Dazu kommen ja noch andere Dinge, der Skandal um das Landesarchiv etwa, oder um den Schuhkarton für die Küppersmühle.“ Ihn wundere das nicht, dass er immer wieder von Leuten außerhalb Duisburgs zu hören bekomme: „das ist ja bei euch noch schlimmer, als man es in den Schimanski-Krimis sieht“. Solche Äußerungen stoßen dem überzeugten Duisburger bitter auf. „Ich fühl mich wohl hier und möchte das auch weiterhin. Wenn unsere Stadt nach außen ein schlechtes Image hat, nehm’ ich das persönlich.“

 

Und deshalb griff Tazl im Dezember vergangenen Jahres zum Stift und zeichnete sein erstes Bild vom kleinen Bürgermeister, der vom wütenden Weihnachtsmann mit dem Tannenbaum traktiert wird, weil er noch immer in der Stadt ist, und der kleine Bürgermeister, dem der Bürosessel am Hintern pappt, fleht um Hilfe mit den Worten: „Ich war doch bereit, meinen Stuhl zu verlassen, aber ich klebe dran.“ Versehen mit der Unterzeile „Wir in Duisburg wünschen uns vom Weihnachtsmann, dass er dieses Jahr den Job von Knecht Ruprecht selbst übernimmt ...“ verschickte Tazl seine Karikatur als Gruß zum Fest und stellte sie auf seine Facebook-Seite.

 

Dort erschienen auch weitere höchst amüsante Bilder des kleinen Bürgermeisters, etwa wie er von Hund Fips im Stadtpark den traurigen Hundeblick lernen will, oder wie er im Stile Ludwig XIV. herumstolziert unter dem umgemünzten Leitsatz des Absolutismus (Der Staat bin ich!): „Duisburg bin ich!“ Inzwischen hat Tazl sogar ein Malbuch ( zum Pdf ) für alle Duisburger Kinder und ihre Eltern geschaffen und auf Youtube ein Video (zu sehen unten, am Textende) auch veröffentlicht, mit dem jeder lernen kann, den kleinen Bürgermeister selbst zu zeichnen.

 

„Ich bin parteilos und nicht von irgendwem gesteuert“

 

Versehen sind seine Zeichnungen stets mit dem Hinweis auf den 12. Februar, das Datum des Bürgerentscheids. Für Tazl der einzige Sinn und Zweck seiner Bürgermeister-Bilder. „Ich bin parteilos und nicht von irgendwem gesteuert. Aber diese Stadt ist nicht mehr handlungsfähig, solange Sauerland Oberbürgermeister ist. Wir brauchen andere Charaktere an dieser Stelle, Leute, die geradlinig, aufrichtig, loyal und authentisch sind. Ich möchte nicht von Leuten vertreten werden, die einen abstrusen Weg gehen.“

 

OB Sauerland als Karikatur

 

 Martin Tazl zeichnet OB Adolf Sauerland als "Der Kleine Bürgermeister". Sein jüngster Streich: das Computerspiel "Tortenwerfen".

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Martin Tazl zeichnet OB Adolf Sauerland als "Der Kleine Bürgermeister". Sein jüngster Streich: das Computerspiel "Tortenwerfen".

Foto: Martin Tazl

 Neues vom kleinen Bürgermeister: In diesem Comicstrip greift Martin Tazl Adolf Sauerlands Werben um die Stimmen der türkischen Migranten in Duisburg auf.

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Neues vom kleinen Bürgermeister: In diesem Comicstrip greift Martin Tazl Adolf Sauerlands Werben um die Stimmen der türkischen Migranten in Duisburg auf.

Foto: Martin Tazl

Zudem sei es ein „sehr, sehr sportliches Ziel, 92.000 Stimmen“ zusammenzutragen. „Große Klappe haben kann jeder, aber wenn es soweit ist, ins Wahllokal zu gehen und sein Kreuz zu machen, kriegen viele den Hintern nicht hoch.“ Dass sie es doch schaffen, dazu wolle er mit seinen Mitteln beitragen, sagt Tazl. „Auf meine Art kann ich eine andere Aufmerksamkeit erreichen als die Abwahl-Initiative. Und normale Wahlplakate sind nicht mein Ding. Die finde ich nervend und langweilig.“ Er hätte auch nichts dagegen, die Stadt mit Bildern vom kleinen Bürgermeister zuzupflastern. „Das würde vielleicht mehr Aufmerksamkeit bringen. Humor ist treffsicherer und hält auch länger.“

 

Dass dies nötig sein könnte, liegt für Tazl in der Eigenart der Duisburger: „Die Duisburger sind wie das gallische Dorf von Asterix. Sie meckern und pöbeln, streiten und prügeln sich, aber sie sind in der Lage, sich zusammenzufinden, wenn’s es um ‘ne große Sache geht. Es ist möglich, das hat der große Stahlkampf in Rheinhausen bewiesen.“ Tazls Überzeugung wird aus seiner eigenen Familiengeschichte genährt. Sein Opa war Kruppianer und sein Vater gehörte zu den Brückenbesetzern. Das prägt.

 

OB Sauerland und die Loveparade

 

 Am Sonntag, 12. Februar 2012, etwa eineinhalb Jahre nach der letzten Loveparade mit 21 Toten, wählten die Duisburger ihren Oberbürgermeister Adolf Sauerland bei einem Bürgerentscheid mit einer deutlichen Mehrheit ab. 

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Am Sonntag, 12. Februar 2012, etwa eineinhalb Jahre nach der letzten Loveparade mit 21 Toten, wählten die Duisburger ihren Oberbürgermeister Adolf Sauerland bei einem Bürgerentscheid mit einer deutlichen Mehrheit ab.

Foto: dapd

 129.833 Duisburger stimmten beim Bürgerentscheid für Sauerlands Abwahl als OB, 21.557 dagegen. Die Wahlbeteiligung war mit 41,16 Prozent unerwartet hoch.

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129.833 Duisburger stimmten beim Bürgerentscheid für Sauerlands Abwahl als OB, 21.557 dagegen. Die Wahlbeteiligung war mit 41,16 Prozent unerwartet hoch.

Foto: REUTERS

Tazl ist kein Einzel- oder Abwahlkämpfer, sondern „Überzeugungstäter“ wie er sagt. Deshalb ist das Urheberrecht für seine Figur des kleinen Bürgermeisters, den nun alle mit Hilfe seines Videos bei Youtube nachzeichnen können, für ihn nicht von Belang. „Es geht hier nicht ums Copyright, es geht um das Ziel. Wir wollen Sauerland nicht persönlich schaden, wir wollen nur nicht mehr, dass er unser OB ist.“

 

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